19-Herbst-Ukraine-Zypern-04

Von Odessa nach Plovdiv und weiter bis kurz vor die Türkei

Es hat fast einen Monat gedauert, bis ich weiterschreiben konnte. Auf der Suche nach einer Adresse in Bessarabien wurden die Straßen grottenschlecht. Nach 20 km „Loch an Loch“ und „über Acker fahren“ ändert sich der Gemütszustand. Selbst bei nur zwei Personen kommt es dann zu eigenartigen Reaktionen, die im Nachhinein nicht zu verstehen sind. Es ist dann nicht mehr möglich einen naheliegenden Kompromiss zu finden. Ich habe dann nur noch kurz und bündig und eigentlich zum Schämen reagiert. Das Verarbeiten dauert und auch, weshalb habe ich so reagiert? 

3. Oktober 2019, Donnerstag
Heute wollen wir an der Uferlinie Richtung Süden fahren und irgendwo nach so 100 km übernachten. Soweit kommen wir nicht. Unterwegs wird eine Brücke neu gebaut, die alte ist nicht passierbar. Kein Problem, dann fahren wir eben mit unserem gesamten fahrbaren Haus einen kurzen Umweg. Der Umweg ist nicht ausgeschildert und wird immer länger. Es soll wohl nicht sein.
Na gut, dann fahren wir zu unserem nächsten Ziel in Bessarabien. Wir haben ja noch einen Auftrag für die Ukraine. Der Großvater von Steffen aus Rostock stammt aus Teplitz in Bessarabien und wurde 1940 wie fast alle Bessarabiendeutsche innerhalb von zwei Wochen „heim ins Reich geholt“.
Das war Teil des Hitler-Stalin-Paktes zur Aufteilung Polens: Die Deutschen, die seinerzeit von Zarin Katharina in das damalige Neurussland geholt wurden, verlassen ihre Heimat und bekommen später neues Land im dann ehemaligen Polen. Die Sowjetunion bekommt Neurussland zurück und zur Hälfte Polen, das damit von den Landkarten verschwindet.
Wir wollen Fotos von dem Haus in Teplitz machen und vielleicht auch mit der Familie, die jetzt auf dem Grundstück lebt, sprechen. Vorneweg, wir haben es nicht geschafft nach Teplitz zu kommen.
Von Odessa aus fahren wir eine wunderbar glatte Straße, die ukrainische M-15/ E87. Im Dnestr-Delta führt die die M-15 kurz über das Gebiet der Republik Moldau. Am Grenzübergang werden wir vorbeigeführt, dann sind wir wieder in der Ukraine, jetzt im Gebiet, für mich Bessarabien. Die Straße ist weiterhin wunderbar. In Sarata müssen wir die M-15 verlassen um nach Arzis auf einer regionalen Straße zu fahren. Es ist eine Katastrophe. Stark verformter Asphalt, Löcher, zum Teil Unter-Schrittgeschwindigkeit. Über die Felder neben der Straße geht es etwas besser. Doch schon genervt kommen wir in der Rajonhauptstadt Arzis an. Die Straßen hier sind minimal besser. Warum man auf diesen schlechten Straßen noch Schikanen in Form von Aufpflasterungen eingebaut hat ist überhaupt nicht mehr zu verstehen.
Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Teplitz. Unsere allwissende Navidame Klara führt uns über einen Feldweg. Petra sagt: „Bis hierher und nicht weiter.“ und steigt aus. Wir sind nicht mehr in der Lage nachzudenken und nach Alternativen zu suchen. Das ist eigentlich unsere Stärke! Ein Kompromiss ist nicht möglich. Ok, dann fahre ich eben alleine.
Nach zwei Kilometern ist am tief eingeschnittenen Wiesenfluss in der Nähe der Bahnbrücke Schluss. Da kommt man nicht mit dem Wohnmobil rüber. Durch eine Furt geht es nicht und erst recht nicht über eine „Rohrbrücke“.
Wege übers Land bei Teplitz

Wege übers Land bei Teplitz

Wege übers Land bei Teplitz



Wege übers Land bei Teplitz

Wege übers Land bei Teplitz

Wege übers Land bei Teplitz

Wege übers Land bei Teplitz

Zurück, Petra wieder aufnehmen.

Erst sehr viel später als wir in Griechenland sind und sehr viel über unseren Blödsinn nachgedacht haben, kommt die Erleuchtung: Sinnvoll wäre es gewesen, in Ruhe Kaffee zu trinken und einfach mal auf die Karte zu schauen. Die einfache Frage wäre: Wie kommt man noch nach Teplitz?
Wir, speziell ich, haben ohne Sinn und Verstand auf unsere allwissende digitale Navidame Klara gehört und den eigenen Verstand einfach ausgeschaltet. Dabei wissen wir doch genau wie Klara tickt. Traue keiner Maschine! Es ist immer noch der Mensch, der entscheidet!!!
Jetzt wollen wir nur noch auf eine fahrbare Straße. Zurück über die Katastrophenstraße, oder über eine unbekannte Straße nach Tatarbunary. Die neue Route ist nicht besser als die Straße nach Arzis. Über die Felder fährt es sich besser als auf der Verbindungsstraße!
In Tatarbunary stellen wir uns an eine Gaststätte an der Superstraße M-15. Zur Belohnung essen wir in der Gaststätte, das haben wir uns verdient! Wir können sogar wieder miteinander reden.
Ü: an Gaststätte und Straße 45.825981, 29.6074
Wikipedia:
Bessarabien (rumänisch Basarabia, ukrainisch Бессарабія, selten auch Басарабія [1], russisch Бессарабия) ist eine historische Landschaft in Südosteuropa, begrenzt vom Schwarzen Meer im Süden sowie den Flüssen Pruth im Westen und Dnister/Dnjestr im Osten. Das frühere Bessarabien deckt sich heute weitgehend mit dem westlich des Dnister liegenden Teil der Republik Moldau, nur der Süden (Budschak) sowie der äußerste Norden (um Chotyn) gehören zur Ukraine. Jahrhundertelang war das Land Pufferregion zwischen den Großmächten Österreich, Russland und dem Osmanischen Reich. 1812 trat das Fürstentum Moldau die Herrschaft an Russland ab. Danach war der mehrheitlich von Rumänen bewohnte Landstrich bis 1917 als Gouvernement Bessarabien Teil des russischen Kaiserreichs. 1918 war Bessarabien kurzfristig unabhängig. In der Zwischenkriegszeit war es östliche Provinz Rumäniens und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es der Sowjetunion angeschlossen.
Deutsche Bevölkerung
Deutsche Auswanderer, die der Zar 1813 als Kolonisten ins Land rief, lebten in Bessarabien zwischen 1814 und 1940. Sie lebten als selbstständige Landwirte auf eigener Scholle. In 125-jähriger Siedlungszeit hatten sie die ursprüngliche Zahl von 24 Mutterkolonien auf über 150 bessarabiendeutsche Siedlungen erweitert. Die Zahl von etwa 9.000 eingewanderten Personen hatte sich auf 93.000 Personen mehr als verzehnfacht. Die anfänglich gewährten Privilegien, darunter die Selbstverwaltung durch das Fürsorgekomitee mit Sitz in Odessa, wurden um 1870 mit der Aufhebung des Kolonistenstatus zurückgenommen. Vor allem wegen der Einführung des Militärdienstes wanderten in der Folge viele Kolonisten nach Nord- und Südamerika (mit Schwerpunkten in Nord- und Süd-Dakota, Kanada, Argentinien, Brasilien) aus. Als im Juni 1940 als Folge des Hitler-Stalin-Paktes Bessarabien durch die Sowjetunion besetzt wurde, kam es zur Umsiedlung fast aller dort lebenden „Volksdeutschen“ in das Deutsche Reich. Im September 1940 wurde mit der Sowjetunion dazu ein spezieller Umsiedlungsvertrag geschlossen[7]. Organisator dieser Kampagne unter der Devise Heim ins Reich war das Hauptamt Volksdeutsche Mittelstelle. Nach einem bis zu zweijährigen Aufenthalt in Lagern erhielten die Umsiedler ab 1941/42 Bauernhöfe im besetzten Polen, deren polnische Besitzer von deutschem Militär vertrieben wurden. Als 1944 die Rote Armee anrückte, flohen die Bessarabiendeutschen nach Westen. Unter den bessarabiendeutschen Umsiedlern waren auch die Eltern des späteren deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler.


4. Oktober 2019, Freitag
Nach unserem gestrigen peinlichen Abenteuer hält uns nicht viel in der Ukraine. Ich weiß, das ist ungerecht. Die Menschen sind arbeitsam, offen, freundlich und nett. Der Krieg in der Ostukraine zerrt unübersehbar an der Infrastruktur. Aushalten muss diese Situation der einfache Ukrainer, Gerechtigkeit ist was anderes.
Die Ukraine galt und gilt als Kornkammer Europas. Das können wir betätigen. Wir haben riesige von Windschutzstreifen eingerahmte Felder mit gutem Ackerböden gesehen. Dörfer haben wir selten gesehen. Allerdings sind wir auch nur, wenn es ging, „vertrauenswürdige“ Straßen gefahren.
Um 12.30 Uhr sind wir an der Grenze zu Rumänien, denken wir. Von der Ukraine geht es hier über rund 5 Kilometer durch Moldawien und dann erst nach Rumänien. Das heißt zwei Mal Grenzen passieren. Die Ukraine kontrolliert bei der Ausreise alles. Moldawien kontrolliert bei der Einreise wiederum alles. Nach fünf Kilometern in Moldawien kommen wir an die Grenze zu Rumänien. Hier wird von den Moldawiern wieder alles kontrolliert. Um 14.30 Uhr sind wir endlich in Rumänien. Zwei Grenzen in zwei Stunden, das ist eigentlich ein guter Wert, trotzdem, es nervt. Wir lieben unsere EU immer inniger!!!
Weiter nach Gelati in Rumänien. Hier wartet der örtliche Lidl auf uns.
Ü: Braila Campingplatz 45.21519, 27.923368, 20€, kalte Duschen, Versorgung und Entsorgung

5. Oktober 2019, Samstag
Fahrtag von Braila nach Ruse in Bulgarien, direkt an der Donau, die hier die Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien bildet.
Auf der Internetseite von Ruse lesen wir:
Die Stadt Russe liegt am höchsten rechten Donauufer, 320 km von Sofia, 200 km von Varna und circa 300 km von Plovdiv entfernt. Die Bevölkerung der Stadt zählt circa 180.000 Einwohner. Das ist eine der größten Städte des Landes sowie ein wichtiges Kultur-, Handels- und Industriezentrum.
Die Nähe zu der Donau spielt bereits vom Altertum an bis heutzutage eine große Rolle für die Entwicklung der Stadt. Hier wurde im І Jh.n.Chr. das römische Kriegsfestungslager mit dem Namen Sxaginta Pristis errichtet: „Der Hafen der 60 Schiffe”. Seit dem ХVІ. Jahrhundert war die Stadt unter ihrem osmanischen Namen Rustchuk bekannt. Während der Osmanischen Herrschaft stellte Russe eine der wichtigsten Städte des Osmanischen Reichs dar, was ihre wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung beeinflusste. Russe gilt als Pionier in vielerlei Hinsicht – hier wurde der erste Eisenbahnhof in Bulgarien errichtet, eine moderne Druckerei erfunden, eine Zeitung gegründet und in der Stadt sitzen viele Konsulate.
Nach 1878 war Russe die größte Stadt des Fürstentums Bulgarien, seine Wirtschaft entwickelte sich sehr schnell, was sich auf die gesamte Stadtgestalt auswirkte. Die Verbindung, in der die Stadt mittels der Donau mit Europa stand, begünstigte ihre Entwicklung. Wegen seiner schönen Architektur und Innengestaltung der Gebäude, entworfen von italienischen, österreichischen, deutschen und bulgarischen Architekten, wird Russe als „ das kleine Wien” bezeichnet.
Ü: Parkplatz in der Innenstadt, ruhig, muss zwischen 8 und 18 Uhr per SMS bezahlt werden. Wir legen fest, das gilt heute für uns nicht. 43.84431, 25.946462

6. Oktober 2019, Sonntag
Von Ruse nach Plovdiv
Plovdiv ist eine von zwei Kulturhauptstädten Europas für 2019, die wollen wir uns unbedingt ansehen.
Wir fahren von Norden nach Süden quer durch Bulgarien. Unterwegs geht es über den knapp 1200 m hohen Schipka-Pass.
Oben am Schipka-Pass

Oben am Schipka-Pass

Oben am Schipka-Pass

Oben am Schipka-Pass

Wikipedia schreibt:
Gotisch-römische Auseinandersetzungen
Bereits in der Antike war der Pass Schauplatz von Kämpfen zwischen Goten und Römern gewesen. Im 3. Jahrhundert nutzte der Gotenkönig Kniva den strategisch wichtigen Raum für seine Raubzüge in die römischen Provinzen Moesia und Dakien. Im Herbst 377 sperrten die römischen Truppen alle wichtigen Balkanpässe, um ein erneutes Vordringen der Goten von Norden nach Süden über die Donau hinweg auf das römische Reichsgebiet zu vereiteln.[2] Kernpunkt dieser befestigten Verteidigungslinie war der Schipkapass, von dem eine wichtige Straße in das südlich gelegene Tal der Maritza führte. Nachdem der Angreifer noch vor Beginn des gefürchteten Wintereinbruchs damit begann, die Römer einzukesseln, ließ der damalige Oberkommandierende, Frigeridus, die Stellungen räumen und setzte sich zum Pass von Succi ab, um eine neue Verteidigungslinie aufzubauen.[3]
Schlacht am Schipkapass
1877 und 1878 fanden dort während des Russisch-Osmanischen Krieges wichtige Schlachten zur Befreiung Bulgariens statt. Als die russischen Truppen Anfang August aus Thrakien vertrieben wurden und sich auf die Nordseite des Balkangebirges zurückzogen, wurde der Schipkapass von ihnen behauptet und rasch befestigt. Vom 21. bis zum 26. August 1877 versuchte Süleiman Pascha durch immer neue Angriffe die russische Stellung zu erstürmen, wurde aber unter ungeheuren Verlusten von den Russen unter Führung ihres Generals Fjodor Fjodorowitsch Radezki zurückgeschlagen. Ein zweiter Versuch (17. September 1877) misslang ebenfalls. Die Türken mussten sich auf die Beobachtung und gelegentliche Kanonade der russischen Stellung beschränken, bis die Russen Anfang Januar 1878 wieder zum Angriff übergingen. Am 9. Januar konnte nach heftigem Kampf die ganze türkische Armee (32.000 Mann) gefangen genommen werden und die Russen drangen von neuem in Rumelien ein.
Im bulgarischen Nationalbewusstsein ist die Schlacht um den Schipkapass tief verankert geblieben als der entscheidende Kampf für die Befreiung Bulgariens vom türkischen Joch.
Ist das der Radezki vom Radezki-Marsch?

Angekommen in Plovdiv suchen wir einen sicheren Standplatz für unser Wohnmobil. Am Ufer der Maritza finden wir ihn bei 42.154935, 24.745569
Es wird langsam dunkel, die Beleuchtung taucht die Innenstadt in ein schönes Licht.
Plovdiv, Fluss Maritza

Plovdiv am Abend


Plovdiv am Abend

Plovdiv, ausgegrabene Teile des Hippodroms, der Pferderennbahn


Plovdiv am Abend


Plovdiv am Abend

Plovdiv, mein Zuhörer?!



In der Online-Ausgabe der Welt ist zu lesen:
Kennen Sie Plovdiv? 2019 sollten Sie hinfahren
Große Hoffnung hatte man sich in Plovdiv nicht gemacht – umso größer ist die Euphorie, 2019 Kulturhauptstadt Europas zu sein. Bulgariens zweitgrößte Metropole ist älter als Rom und nicht nur deshalb spannend.
Wenn im nächsten Frühling die Bäume wieder grünen, wird sich endlich wieder dichtes Blattwerk vor die maroden Betonkästen legen und die Tristesse verdecken, die im Winter aus den Fenstern gähnt. Plovdiv im Süden Bulgariens unterscheidet sich an seinen Rändern wenig von anderen sozialistischen Einheitsstädten – Wohnsilos, Paradestraßen, Monumentalplastik.
Im Inneren erweist es sich als eine der ältesten Städte Europas, älter als Athen und Rom. Einst gehörte Plovdiv zum Thrakerreich an den Ufern des Flusses Mariza. 2019 wird es, neben Matera in Süditalien, eine der zwei Kulturhauptstädte Europas sein.
Dafür hat sich Kapana, das alte Handwerkerviertel im Herzen der Stadt, ganz besonders in Schale geworfen: Seine grauen Fassaden schminkt Graffitikünstler Stern mit salonfähiger Street-Art, freundlich fauchenden Krokodilen und anderen neckischen Monstern. Wenn die Sonne scheint, taucht sie die bröckelnden Wände nachsichtig in sanftes Licht.
Mittendrin hockt Temenuzhka mit ihren Freunden vor ihrem Laden. „Ich hoffe, dass der Status als Kulturhauptstadt uns viele Kunden bringt“, sagt sie und blickt auf den Zierrat in ihrem Schaufenster. Aus gerollten und geleimten Prospektstreifen gestaltet sie Katzen, Schmuck und Lampenschirme, ökologisch nachhaltigen Nippes.
Bis vor wenigen Jahren war das historische Quartier Kapana aufgegeben, dann möbelte die Kommune es auf, als Bindeglied zwischen Altstadt und zentraler Einkaufszone. In den Erdgeschossen hat sich seitdem eine bunte Vielfalt kleiner Gewerbe angesiedelt.
Reste römischer Bauten unter der Fußgängerzone
Einen kleinen Spaziergang weiter in Richtung Innenstadt steht Kristofer Kem in einer der längsten Fußgängerzonen Europas. Schwarzes Sakko, rote Schleife, wilde Mähne. Der Mann spielt ein selbst arrangiertes Capriccio auf seiner Geige, dahinter steht in großen bunten Buchstaben: „Plovdiv together 2019“, das Motto der künftigen Kulturhauptstadt Europas.
Die bezaubernd schräge Melodie mischt sich mit dem Rauschen einer 50 Meter langen Wasserkaskade, die extra für das große Ereignis angelegt wurde. Dabei steht Kristofer auf historischem Grund.
Unter der lebhaften Fußgängerzone mit ihren Seifengeschäften, Schuhsalons und erstaunlich wenigen Ladenketten verbirgt sich das 180 Meter lange römische Stadion aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. In vielen Geschäften ist es durch Glasböden hindurch sichtbar. Da, wo sich das Minarett der osmanischen Dschumaja-Moschee in die Höhe streckt, klettert man in die freigelegten unterirdischen Ränge.
Die Reste römischer Monumentalbauten sowie christliche, jüdische und muslimische Gotteshäuser erzählen die Geschichte der uralten, auf drei Hügeln erbauten Messestadt, die heute mit etwa 330.000 Einwohnern die zweitgrößte Metropole Bulgariens ist. Eingebettet in die thrakische Ebene an der Kreuzung großer Handelswege reicht Plovdivs Historie von prähistorischer Besiedlung bis hin zur bulgarischen Wiedergeburt im 19. Jahrhundert.
Der Titel Kulturhauptstadt Europas weckt Hoffnung
Über allem thront die „schlafende Schönheit“, wie der Volksmund die museale Altstadt nennt. Vorbei an pittoresken Hotels, deren Empfangshallen plüschigen Salons gleichen, gelangt man zu den bunt bemalten Trutzvillen der Händlerfamilien, deren bekannteste das Balabanow-Haus ist.
Hinter dicken Mauern wispern Brunnen, leiten idyllische Gärten zu prunkvollen Anwesen. Drinnen meint man noch das Plaudern in den Damenzimmern zu hören, die Geschäftigkeit in den Handelskontoren zu spüren. Hinter ihren rosenwasserduftenden Portieren war sich die Gesellschaft selbst genug.
Das Leben auf der Straße überließ man den Arbeitern in Kapana. Noch heute werden die buckligen Gassen weniger von Einheimischen als von Besuchergruppen belebt.
Von hier ist es nur ein Steinwurf zum römischen Theater, das den Vergleich mit anderen antiken Architekturdiven nicht zu scheuen braucht. Mit seinen einst 7000 Sitzen und der spektakulären Aussicht auf den Gebirgszug der Rhodopen dient es jeden Sommer und besonders 2019 als spektakuläre Kulisse für Opern- und Konzertfestivals.
Doch für die Bewerbung Plovdivs als Kulturhauptstadt Europas waren nicht allein die historischen Stätten ausschlaggebend. Die Präsentationsmappe verzeichnete viele aktuelle, auch soziale Projekte, mit denen die Stadt um den Titel rang. Große Hoffnung hatte man sich nicht gemacht, im Rennen gegen die Hauptstadt Sofia. Umso größer war die Euphorie nach dem Zuschlag vor vier Jahren.
Viele Pläne für Plovdiv blieben Träume
„Alle für einen“, die bulgarische Durchhalteparole des Komitees, wurde schließlich zum englischen Motto „Plovdiv together 2019“. Viele der großen Pläne sind Träume geblieben – wie die Sanierung des Kinos Kosmos, ein modernistischer Filmpalast von Anfang der 60er-Jahre. „Viele haben hier ihren ersten ausländischen Film gesehen“, erzählt die künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt, Svetlana Kuyumdzhieva.
Noch gleicht der 900 Besucher fassende Saal, den eine elegant geschwungene Treppe mit dem Foyer verbindet, einer abrissreifen Betonruine. Bis zum Beginn des Festjahres sollte hier eigentlich ein Kulturzentrum mit Bibliothek und Mehrzweckhalle entstehen. „Wir arbeiten daran“, sagt Kuyumdzhieva.
Auch Temenuzhka ist optimistisch. Über ihrem Ladenschild prangt das Label der Kulturhauptstadt. Sie wird als ausgesuchte Künstlerin ihre Papierarbeiten präsentieren. „Leicht ist es zur Zeit nicht“, sagt sie. Die 200 Lew (umgerechnet rund 100 Euro) Ladenmiete seien schwer zu erwirtschaften.
Unter den Gewerben hat sich eine Zweiklassengesellschaft etabliert. Kapana wird zum lebhaften Kneipenviertel. Schon mittags füllen sich Restaurants und Bars. Während Temenuzhka auf ihrer Tagesbilanz nur zwei verkaufte Papiertiger hat, ist eine Straße weiter im Restaurant „Pavasj“ wieder einmal kein Platz zu bekommen.
Zu Ouzo und Rakija, bulgarischem Zwetschgenschnaps, schmaust man Pferdebratwurst und Geflügelleber. Temenuzhka schaut hoffnungsvoll auf ihr Ladenschild. Vielleicht wird „Plovdiv together 2019“ ihr Glück bringen.

7. Oktober 2019, Montag
Ein Tag in Plovdiv
Nochmal rein in die historische und gleichzeitig moderne Stadt Plovdiv. Irgendwie nicht fertig, manches provisorisch, man spürt Stolz und Aufbruch. Uns gefällt’s!
Plovdiv - unser Platz am Fluss Maritza

Plovdiv - in der Innenstadt


Plovdiv, hier gehts hoch zum antiken Theater

Plovdiv

Plovdiv, Ausgrabungen

Plovdiv, hier war wohl das Ende des Hippodroms

Aufgang zur Altstadt

Plovdiv, wunderschönes antikes Theater

Plovdiv, antikes Theater

Plovdiv- Altstadt, hier hatten wir ein Gespräch mit einem Jazz-Musiker, der im deutschsprachigen Raum mit den Paldauern erfolgreich war.

Plovdiv, in der Altstadt

Plovdiv, Altstadt

Plovdiv - Altstadt
Plovdiv - in der Fußgängerzone

Plovdiv - Moschee in der Fußßgängerzone




8. Oktober 2019, Dienstag
Fahrtag, gar nicht weit bis kurz vor die Türkei bis zum Camping in Biser / Sakar Hills 41.870441, 25.993702
Ein Tag zum Überlegen. Uns treibt die Frage um, fahren wir wirklich über die Türkei bis nach Zypern. Die Vorbereitungen der Türkei zu einem Einmarsch nach Nordsyrien lassen uns an unserem Weg durch die Türkei zweifeln. Wir müsssen ja schließlich auf dem selben Weg zurück fahren, und das in zwei bis drei Monaten. Wie ist die Lage dann in der Türkei?   
Camping Sakar Hills in Biser, kurz vor der türkischen Grenze.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

01-Warschau und Kazimierz Dolny

19-Herbst-Ukraine-Zypern-05